Effilierschere: Warum 30 Zähne im Vergleich zu 40 Zähnen tatsächlich einen Unterschied machen (und welche Sie benötigen)

Ein technischer Leitfaden zu Anzahl der Zähne von Ausdünnscheren, Schnittraten in Prozent, Klingentypen und wie man das richtige Texturierungswerkzeug auf Haartyp und Technik abstimmt.
Effilierschere: Warum 30 Zähne im Vergleich zu 40 Zähnen tatsächlich einen Unterschied machen (und welche Sie benötigen)

Effilierscheren gehören zu den am meisten missverstandenen Werkzeugen im Friseurkoffer. Man geht oft davon aus, dass mehr Zähne weniger Haare entfernen, doch das ist eine zu vereinfachte Darstellung. Zahnabstand, Zahnbreite, Zahntiefe und Klingenform beeinflussen, wie viele Haare eine Effilierschere pro Schnitt entfernt. Eine Schere mit 30 Zähnen eines Herstellers kann mehr Haare entfernen als eine Schere mit 40 Zähnen eines anderen.

Das Verständnis dafür, wie diese Variablen interagieren, ist der Unterschied zwischen kontrollierter Texturierung und versehentlicher Beschädigung.

Prozentuale Abschlagsraten nach Anzahl der Zähne

Die Schnittrate gibt den ungefähren Prozentsatz der Haare an, die mit einem einzigen Schnitt der Schere entfernt werden. Diese Angaben basieren auf Herstellerangaben und Branchenreferenzdaten. Das tatsächliche Ergebnis kann je nach Technik, Haarspannung und Scherenkonstruktion variieren.

Zähne zählen Ungefährer Schnittzins Allgemeiner Gebrauch
5 bis 10 Zähne 50% bis 70% Aggressive Massenentfernung, Stückzerkleinerung
14 bis 15 Zähne 30% bis 40% Schwerlastentfernung
20 bis 25 Zähne 25% bis 35% Mäßige Gewichtsreduktion
30 bis 35 Zähne 15% bis 25% Allgemeine Texturierung, Verblendung
38 bis 46 Zähne 5% bis 15% Finish, Weichmachung, unsichtbare Textur

Diese Zahlen sind Ausgangspunkte. Die Schnitttiefe, der Winkel der Schere zum Haar und die Anzahl der Durchgänge pro Strähne beeinflussen die effektive Abtragsrate.

Klingentypen

Die Form der Zähne ist ebenso wichtig wie deren Anzahl. Drei Klingentypen sind bei professionellen Effilierscheren am gebräuchlichsten.

V-Nut-Zähne

V-förmige Zähne mit einer Einkerbung an jedem Zahn greifen und halten das Haar beim Schneiden fest. Diese Konstruktion sorgt für maximale Haarentfernung pro Schnitt und erzeugt eine griffigere Haarstruktur. Effilierscheren mit V-förmigen Zähnen eignen sich besonders für dickes, kräftiges Haar, bei dem eine deutliche Reduzierung des Haarvolumens gewünscht ist.

Der Nachteil liegt in der Sichtbarkeit. V-förmige Schnitte können deutlichere Linien im Haar hinterlassen, was bei manchen strukturierten Frisuren erwünscht ist, bei glatten, fließenden Übergängen jedoch problematisch.

Flache Zähne

Flache Zähne haben eine glatte, gleichmäßige Oberfläche. Sie erzeugen ein sanfteres Abtragsmuster und fügen sich natürlicher ein als V-förmige Zähne. Die meisten universellen Ausdünnscheren mit 30 bis 40 Zähnen verwenden flache Zähne.

Scheren mit flachen Zähnen benötigen zwar mehr Durchgänge, um die gleiche Haarmenge wie V-Nut-Scheren zu entfernen, verzeihen aber kleinere Technikfehler besser. Für Stylisten, die mit verschiedenen Haartypen arbeiten, sind Effilierscheren mit flachen Zähnen die vielseitigste Option.

Stufenkammzähne

Stufenkämme (manchmal auch „versetzte Zinken“ genannt) verwenden abwechselnd kurze und lange Zinken. Die kurzen Zinken führen das Haar, während die langen es schneiden. Dadurch entsteht ein sehr weicher, abgestufter Schnitt, der im fertigen Haar kaum sichtbar ist.

Stufenkamm-Effilierscheren sind die schonendste Option und eignen sich gut für feines oder geschädigtes Haar, bei dem sichtbare Strukturlinien störend wären. Sie entfernen pro Durchgang weniger Haare als V-förmige oder flache Scheren.

Passende Zahnanzahl zum Haartyp

Feines Haar

Verwenden Sie Kammaufsätze mit mindestens 38 Zähnen und flachen oder gestuften Klingen. Bei weniger Zähnen besteht die Gefahr, sichtbare Lücken oder Streifen im Haar zu hinterlassen. Feines Haar verstärkt jede Unebenheit beim Entfernen der Haarstruktur, daher ist ein sanftes Vorgehen empfehlenswert. Joewell, Kasho und Hikari bieten Kammaufsätze mit über 40 Zähnen speziell für das Styling von feinem Haar an.

Mittleres Haar

Für Ausdünnungsarbeiten ist diese Haarart am besten geeignet. Scheren mit 30 bis 40 Zähnen und flachen Zinken decken die meisten Anwendungsfälle ab. Die Abtragsrate lässt sich durch die Technik (Winkel, Spannung, Anzahl der Durchgänge) steuern, sodass keine mehreren Werkzeuge benötigt werden. Hier findet sich die größte Auswahl in allen Preiskategorien, von Mina und Jaguar im Einsteigerbereich bis hin zu Mizutani und Juntetsu im Premiumsegment.

Dickes, grobes Haar

Beginnen Sie mit 20 bis 30 Zähnen für grobes Ausdünnen und verwenden Sie anschließend 38 oder mehr Zähne für die Feinarbeit. Der Versuch, dickes Haar ausschließlich mit einer Schermaschine mit hoher Zähnezahl auszudünnen, ist zu zeitaufwendig und kann dazu führen, dass dieselben Partien übermäßig bearbeitet werden. Kamisori, Ichiro und Yasaka bieten leistungsstarke Schermaschinen mit 20 bis 28 Zähnen an, die sich gut für dickes Haar eignen.

Lockige haare

Lockiges Haar verstärkt Fehler beim Texturieren. Verwenden Sie Scheren mit mindestens 40 Zähnen und einen Flach- oder Stufenkamm. Vermeiden Sie Scheren mit wenigen Zähnen bei lockigem Haar unbedingt. Eine Schnittkante, die bei glattem Haar unsichtbar wäre, wird bei lockigem Haar zu einer sichtbaren Kerbe.

Technische Faktoren, die die Schnittrate beeinflussen

Die Anzahl der Zähne und die Art der Klinge bilden die Ausgangsbasis, aber Ihre Technik beeinflusst das tatsächliche Ergebnis.

Schließtiefe. Ein flaches Schließen (die Klingen werden nicht vollständig geschlossen) verringert die effektive Schnittleistung. Ein vollständiges, festes Schließen maximiert den Materialabtrag. Durch die Kontrolle des Griffdrucks lassen sich die Ergebnisse optimieren, ohne das Werkzeug wechseln zu müssen.

Winkel zum Haar. Ein Schnitt im 45-Grad-Winkel zur Haarwurzel sorgt für maximale Haarentfernung. Ein Schnitt im 90-Grad-Winkel (senkrecht) entfernt Haare sanfter. Ein Schnitt parallel zur Haarwurzel erzielt den weichsten Übergang.

Abschnittsgröße. Kleinere Haarpartien ermöglichen eine präzisere Kontrolle darüber, wo und wie viele Haare entfernt werden. Größere Partien sind zwar schneller, aber weniger genau. Passen Sie die Größe der Haarpartie an den Zahnabstand Ihrer Schere an, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Anzahl der Durchgänge. Mehrere Durchgänge über dieselbe Stelle erhöhen die Entfernungsrate. Zwei Durchgänge mit 15 % Scherkraft entfernen zwar nicht exakt 30 % der Haare (der zweite Durchgang wirkt auf die verbleibenden Haare, nicht auf die ursprüngliche Haarmenge), steigern aber die Gesamtentfernung deutlich. Seien Sie vorsichtig mit wiederholten Durchgängen an derselben Stelle.

Häufige Fehler beim Ausdünnen

Anwendung von Haaren mit geringer Zahnzahl bei feinem Haar. Scheren mit weniger als 30 Zähnen können in feinem Haar sichtbare Streifen oder Löcher erzeugen. Der größere Zahnabstand entfernt eher grobe Strähnen als gleichmäßige Schnitte, und feines Haar hat nicht genügend Dichte, um das Muster zu kaschieren.

Zu starkes Ausdünnen der Krone. Wird am Oberkopf zu viel Haar entfernt, stehen die Haare ab und verlieren ihren natürlichen Fall. Der Oberkopf sollte, wenn überhaupt, nur sparsam ausgedünnt werden.

Falscher Winkel bei geschädigtem Haar. Zu steile Schnittwinkel beschleunigen Haarbruch bei bereits brüchigem Haar. Verwenden Sie bei geschädigtem Haar Scheren mit hoher Zahnzahl, die senkrecht oder parallel geschnitten werden.

Sich für alles auf eine einzige Ausdünnschere verlassen. Unterschiedliche Situationen erfordern unterschiedliche Werkzeuge. Eine einzelne Schere mit 35 Zähnen ist ein guter Ausgangspunkt, aber Stylisten, die mit verschiedenen Haartypen arbeiten, profitieren von mindestens zwei Effilierscheren mit unterschiedlicher Zähnezahl.

Bau eines Ausdünnscheren-Sets

Minimale Ausrüstung (zwei Scheren):

  1. Eine Schere mit 30 bis 35 Zähnen und flachen Zähnen zur allgemeinen Texturierung
  2. Eine Schere mit über 40 Zähnen zum Feinschliff und Verblenden

Komplettes Kit (vier Scheren):

  1. Ein Haarschneider mit 20 bis 25 Zähnen zur Entfernung von grobem Haarvolumen bei dickem Haar
  2. Eine Schere mit 30 bis 35 Zähnen für die tägliche Texturierung
  3. Ein Finisher mit 40 bis 45 Zähnen zum Verblenden und Weichmachen
  4. Ein-Schritt-Kammdesign für feines oder geschädigtes Haar

Wartung für Effilierscheren

Effilierscheren müssen sorgfältiger gereinigt werden als Schneidescheren. Haarfragmente verfangen sich zwischen den Zähnen und verursachen dort Korrosion und stumpfen die Schneidkanten ab.

Nach jedem Kunden: Reinigen Sie die Zahnzwischenräume mit einer weichen Zahnbürste. Wischen Sie die Klingen sauber. Geben Sie einen Tropfen Öl auf das Gelenk.

Schärfung: Effilierscheren erfordern einen spezialisierten Schleifer. Die Zähne müssen präzise ausgerichtet und gleichmäßig angeordnet sein. Ein Schleifer, der lediglich die flache Klinge abschleift, ohne die Ausrichtung der Zähne zu überprüfen, kann die Schere ruinieren.

Lagerung: Effilierscheren sollten immer in einem Etui oder Beutel aufbewahrt werden. Die Zähne sind empfindlicher als die einer geraden Schneideklinge, und selbst leichte Stöße können einzelne Zähne verbiegen.

Quellen

  • Die Schnittraten basieren auf Herstellerangaben und Branchenreferenzmaterialien japanischer und deutscher Hersteller von Ausdünnscheren.
  • Die Beschreibungen der Klingentypen basieren auf der von Joewell, Mizutani und anderen etablierten Herstellern von Ausdünnscheren verwendeten Standard-Fertigungsterminologie.
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